Medien im Wandel: Was kommt. Was bleibt. Was geht.

Verlage investieren in digitale Konzepte

Wie Verlage die Daten aus dem Lesertracking einsetzen können und mit welchen neuen digitalen Angeboten Medienhäuser beim Nutzer punkten, wurde eindruckvoll von den Referenten beim diesjährigen Forum Kundenmanagement am 28. Februar gezeigt. Best Practice gab es mit der Präsentation der RheinlandCard und des Fahrdienstes CleverShuttle auch in Sachen neue Geschäftsmodelle. Gastgeber des Forums, das von der AVS GmbH veranstaltet wird, war die Leipziger Volkszeitung (LVZ).

Wie sehr die IT jeden Winkel unseres privaten und beruflichen Lebens durchdrungen hat, betonte Prof. Dr. Key Pousttchi in seiner Keynote. „Heute bestimmt die Technologie, wem wir unsere Aufmerksamkeit schenken.“ Big Data, bei dem Daten von allen erhoben werden, um daraus Rückschlüsse auf den Einzelnen zu ziehen, liege nicht immer richtig, warnte der Potsdamer Wissenschaftler. Er appellierte an die Forumsteilnehmer: „Stärken Sie Ihre Kundenbindung. Über einen engen Kontakt erhalten Sie oft treffendere Daten, die Sie in einer Small-Data- Strategie einsetzen können.“


Wie die International Data Group (IDG) ihre Digitalisierung selbst in die Hand nimmt, präsentierte Stefan Huegel. Der Chief Technology Officer der IDG Communications Media AG, der deutschen IDG-Tochter, hat die jährlich 900 Mio. digitalen Touch-Points der hiesigen IDG-Medien ausgewertet, die Trackingdaten der Leser analysiert und auch die Inhalte redaktioneller Artikel und Whitepaper untersucht. Auf dieser Grundlage könne sein Unternehmen unter anderem nutzerindividuelle Interessenprofile in Echtzeit erstellen sowie eine Vorhersage darüber treffen, nach welchen Informationen ein Nutzer in Kürze suchen wird. Das dient nicht nur dazu, Inhalte an die richtige Zielgruppe zu bringen, sondern auch zur Kündiger-Prophylaxe. Schließlich erhalten die Abonnenten so genau die Informationen, die für sie in diesem Augenblick relevant sind. Ein Service, den die Nutzer zu schätzen wissen, wie eine IDG-Befragung ergeben hat.

Auch „Die Zeit“ setzt mit ihrem Abonnenten-Programm „Freunde der Zeit“ auf Beziehungspflege – in Form von Face-to-Face-Kommunikation. Leser werden beim „Tag der Zeit“ auf Veranstaltungen im ganzen Bundesgebiet eingeladen und können dort Redakteure live erleben. Weitere Formate ermöglichen einen Blick in die Produktion der Wochenzeitung. „Wir sind der einzige Medientitel mit einem so umfangreichen Leserprogramm“, warb „Zeit“-Verlagsleiter Marketing und Vertrieb Niels von der Kall. „Die Zeit wird dadurch erlebbar.“ Ziel sei es, die Customer Loyalty zu steigern und besonders die Umwandlungsquote von Probeabos in reguläre Abos zu erhöhen. Fünf Monate nach Start des Programms sei es noch zu früh, etwas über dessen Erfolg zu sagen, jedoch hätten sich mit 70 Prozent überwiegend neue Abonnenten für das Programm angemeldet. In den kommenden Monaten sollen als flankierende Maßnahmen Videoseminare und Webinare aufgebaut werden, die für alle Leser sofort nutzbar sind, die nicht vor Ort sein können. Und auch ein Newsletter ist in Planung, der nach individuellen Leserinteressen ausgespielt werden soll.

Best Practice RheinlandCard

Mit der Frage, wie Dumont wieder mehr Familien erreichen kann, hat sich Carsten Groß, Geschäftsführer der MVR Media Vermarktung Rheinland GmbH, beschäftigt. 2016 startete er zusammen mit der AVS GmbH eine Tourismuskarte für Einheimische im Rheinland, die einen kostenlosen Eintritt für attraktive Ausflugsziele, wie Zoos, Freizeitparks und Sportveranstaltungen, ermöglicht. Waren es zunächst 50 Akzeptanzstellen, sind es in der laufenden zweiten Saison bereits 85. Die RheinlandCard kostet für Erwachsene knapp 60 Euro. Kinder bekommen eine Ermäßigung. Bis Ende 2018 peilt Groß den Verkauf von 21.000 Karten an und erreicht damit genau seine Zielgruppe: 70 Prozent der Käufer sind unter 50 Jahren. Indem Abonnenten mit der ebenfalls in Zusammenarbeit mit der AVS organisierten AboCard 5 Euro Rabatt bekommen, zahlt die RheinlandCard auch auf die Leserbindung ein. Ein Ansatz, der auf großes Interesse im Auditorium stieß, das viele Fragen dazu stellte.

Mit einem Ride-Sharing-Modell stellte Hausherr Björn Steigert, Geschäftsführer der Leipziger Druck- und Verlagsgesellschaft (LVDG), ein weiteres neues Geschäftsmodell vor. 28 E- oder Wasserstofffahrzeuge sind für den Fahrdienst CleverShuttle unterwegs. Mittels App können sich Fahrgäste abholen und zu einem Fixpreis emissionsfrei durch Leipzig chauffieren lassen. Da dies als Franchise-Konzept aufgebaut ist, verdient die LVDG, sie hält die Mehrheit an CleverShuttle, auch an der erfolgreichen Weitervermarktung. Außer in Leipzig gibt es den Service bereits in Berlin, Hamburg und München. In Kürze folgen Frankfurt am Main, Stuttgart und Dresden. Für Steigert passt das Unternehmen, das als Start-up startete, bestens zur Strategie der LVDG, die mit dem Coworking- Space „Basislager Coworking“ bereits seit Jahren die Start-up-Kultur in der Region fördert. Weitere Referenten des Tages waren Spieleentwickler Christoph Hecht, Sebastian Pfotenhauer, Head of Video bei der Blick Gruppe/Ringier AG, Pilot-Geschäftsführerin Martina Vollbehr, der Leiter Digitale Innovationen bei Tamedia/20 Minuten Peter Wälty sowie Marco Weicholdt vom Basislager Coworking. Auf der Abendveranstaltung bot sich die Gelegenheit, mit den Referenten ins Gespräch zu kommen und gleichzeitig das eigene Netzwerk zu stärken.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie unter www.forum-kundenmanagement.de.