Rückblick Medienhaus/NEXT/ 2020

Wie Subskriptions-Modelle den Kunden ins Zentrum bringen

Abo-Modelle sind derzeit im Fokus, denn der Trend geht weg vom dauerhaften Besitz hin zur flexiblen Nutzung von Produkten. Wie Verlage diese Entwicklung umsetzen, behandelte das Forum Medienhaus/NEXT/ Anfang März in Augsburg. Als Medienpartner fungierten die Augsburger Allgemeine und die Fachzeitschrift DNV.

Der Branchentreff für Verlage fand erstmals unter dem neuen Namen Medienhaus/NEXT/ statt. Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren bereits im 15. Jahr der Einladung des Veranstalters AVS gefolgt Sie erwartete wieder ein facettenreiches Programm mit hochkarätigen Speakern.

Mit Plattformen erfolgreich

Höchst erfolgreich hat sich die Burda-Gruppe auf dem Digitalmarkt etabliert. Laut Dr. Tanja zu Waldeck, COO von BurdaForward, erzielt das Medienhaus heute mehr als die Hälfte des Umsatzes auf dem deutschen Digitalmarkt. Ihr Erfolgsrezept: Die radikale Trennung von innovativen Produkten und Themen sowie die Arbeit in unabhängigen Teams. Dabei sieht zu Waldeck neue Technologien als „den größten Unterscheidungsfaktor“. Jedoch sollte sich Technik streng am Nutzer orientieren.

Beliebte Digitalangebote von Burda (Bildquelle: Präsentation Dr. Tanja zu Waldeck).

Auch bei Axel Springer ist Digital King. „Neue digitale Geschäftsmodelle haben uns am Leben erhalten“, so Dr. Sebastian Voigt, Senior Vice President der Axel Springer hy GmbH. Anhand zahlreicher Beispiele wie Stepstone, idealo oder immonet zeigte er auf, wie sein Verlagshaus sich weg von contentbasierten hin zu plattformbasierten Modellen entwickelt. Zwar müssten diese am Anfang stark finanziert werden, seien dann aber oft hochgradig profitabel. Seine Erfahrung bei Plattformen: „Alle, die vorne nicht dabei waren, kommen hinten nicht mehr rein.“ Heute generiere Axel Springer über 70 Prozent des Umsatzes und fast 90 Prozent des Gewinns mit digitalen Geschäftsmodellen.

Subscription Economy: Impulse im Abo-Marketing

Dagegen setzen viele Lokalzeitungen bei der Digitalisierung weiter auf Content. So auch die Augsburger Allgemeine, die sich mitten im Transformationsprozess befindet, wie Erik Markert aufzeigte. Ziel des Leiters Lesermarkt Digital ist es unter anderem, die Zahl der Digitalabos auf 25.000 zu steigern. Derzeit schließt das Medienhaus rund 1.000 Digitalabos pro Monat ab, verliert jedoch auch etwa die Hälfte wieder.

Cooking-App der New York Times (Bildquelle: Präsentation Ulrike Langer).

In den USA gewinnen Newsletter, Events und Datenanalysen in der Kundengewinnung an Bedeutung, wie Transatlantik-Scout Ulrike Langer aufzeigte. So starten immer mehr Medienhäuser „Beiboote“, die mit Unterhaltung oder Zusatznutzen punkten – wie etwa das eigene Cooking-Segment der New York Times. In der Koch-App kann der Nutzer nicht nur Rezepte Prominenter lesen, sondern, ähnlich wie bei der Plattform Pinterest, auch seine eigene Rezeptsammlung anlegen und verschlagworten. Ein Service, der den US-Nutzern 40 Dollar pro Jahr wert ist.

Gelebte Kundenbeziehung braucht Nähe

Michael Graf von der Spieleplattform GameStar setzt auf Persönlichkeit. So kündigen User, die das Abo aufgrund eines bestimmten Inhalts abgeschlossen haben, häufig nach kurzer Zeit wieder. Anders die User, die loyal zum Medium stehen. Sie wollen Emotionalität und Nähe. Besonders gut lässt sich dies über YouTube und per Podcasts herstellen. Doch gilt für ihn dabei: Personality ersetzt keine Expertise, Personality vermittelt Expertise.

Mit Podcasts als PaidContent erfolgreich: GameStar (Bildquelle: Präsentation Michael Graf).

Mit ihrer neuen Community FORUM BLAU machen sich auch der Kölner Stadt-Anzeiger und die Kölnische Rundschau in Sachen Kundennähe stark. Integriert ist eine Vorteilswelt für Abonnenten mit den Bereichen Redaktion live, Akademie, Events & Reisen sowie Einkaufsvorteile und Benefits. Angela Sölter, Leiterin Kundenbindung & Loyalität bei DuMont Rheinland: „Wir wollen unsere Kunden zu Fans machen und das funktioniert vor allem auf emotionaler Ebene.“