Technologie-Trends beim Forum: Roboterjournalismus und Blockchain

Haben Sie Angst vor Künstlicher Intelligenz? Wenn ja, sind Sie damit nicht allein, wie Johannes Sommer, Geschäftsführer von Retresco, beim Forum Kundenmanagement verkündete. Hier bestehen häufig ebenso Vorbehalte wie beim Thema Blockchain, das Collin Müller vorstellte. Der Unternehmensberater hielt einen aufrüttelnden Appell an die Verlage, ihre Chance nicht zu verschlafen, sondern sich jetzt mit dem Thema zu beschäftigen, bevor dies andere tun.

„Künstliche Intelligenz kommt nicht aus der Steckdose“, gab Johannes Sommer am Forum Entwarnung. Auch suggeriere die Werbung, dass die Entwicklung schon viel weiter sei, als sie es tatsächlich ist. Doch ist der Fortschritt schnell, gerade was die Automation in der Textbearbeitung betrifft. Für den Digitalprofi entstehen für die Verlage dadurch Chancen, mehr und fehlerfreien Content zu erstellen.

Die „künstlichen“ Texte entstehen auf Basis von Algorithmen – in dem Fall spricht man auch von Roboterjournalismus. Am Beispiel der Nachberichterstattung im Fußball machte Sommer deutlich, wie gut die Generierung von Texten ohne den menschlichen Faktor bereits funktioniert. In dem von ihm geschilderten Fall waren ursprünglich vier freie Mitarbeiter für die Erstellung von Nachberichten aus zwölf Ligen auf Basis einer Verbandsstatistik zuständig. Texte mit Tippfehlern, faktischen Unkorrektheiten und eine Unregelmäßigkeit aufgrund von krankheitsbedingten Ausfällen oder schlechtem Zeitmanagement waren an der Tagesordnung. Um dies zu ändern, den Artikel-Output zu erhöhen und damit auch eine Reichweitensteigerung zu erreichen, entschied man sich für die Automatisierung der Fußballartikel. Die Ziele wurden erreicht, jedoch, das räumte Sommer ein, ist die Qualität der Daten ausschlaggebend dafür, wie gut die Automatisierung funktioniert. Außerdem können Begebenheiten am Spielfeldrand oder unerwartete Ereignisse, die nicht Eingang in die Datenbanken finden, vom Algorithmus nicht verarbeitet werden. Auch ein Kommentar ist für ihn ein Ding der Unmöglichkeit. Der Mensch bleibt also in vielen Bereichen (noch) unersetzbar.

Quelle: Präsentation am Forum Kundenmanagement von Johannes Sommer, Retresco.

Texte, die sich rein auf Fakten beziehen, können heute bereits auf so hohem Niveau künstlich erstellt werden, dass es nicht mehr möglich ist, zu erkennen, ob sie von einem Menschen oder dem „Roboter“ geschrieben wurden. Ausschlaggebend ist jedoch die Qualität der Daten.

Blockchain: Jetzt anderen zuvorkommen!

Mit seiner Erklärung, warum die Blockchain für Verlage wichtig ist, sorgte Collin Müller bei vielen Forumsteilnehmern für ein „Aha-Erlebnis“. Fungierten Medienhäuser früher als Mittler zwischen Werbetreibenden und Konsumenten, übernehmen diese Rolle zunehmend Global Player wie Amazon, Facebook oder Google. Die Plattformen schaffen und kontrollieren Verbindungen und sammeln dadurch Werte an. Doch das erzeugt Probleme, denn sie sind nicht nur ein Sicherheitsrisiko, sondern zerstören auch die Märkte und bedrohen unsere Gesellschaftsordnung.

Eine Lösung bieten Computernetzwerke, in denen Informationen als digitale Datenblöcke dezentral gespeichert werden – auf jedem Rechner dieselben Datenblöcke mit denselben komplexen Inhalten. Weil sich alle Datenketten gegenseitig überwachen, ist eine Manipulation nicht möglich.

Quelle: Präsentation am Forum Kundenmanagement von Collin Müller, Collin Müller Consulting GmbH.

Bei Netzwerken, die auf Blockchain basieren, sind die Teilnehmer dezentral miteinander verbunden. Ein Mittler oder Intermediär ist überflüssig.

Was jetzt schon bei Bitcoins funktioniert und die Funktion von Banken obsolet macht, kann auch auf die Verbindung zwischen Content-Ersteller, Werbetreibenden und Konsument übertragen werden. Die großen Intermediäre wären ersetzbar. Müller appellierte an die Verlage, sich jetzt mit dem Thema zu beschäftigen. „Wir sollten die Blockchain-Technologie und Protokolle erfinden“, riet er. Doch da dies kaum ein deutscher oder europäischer Verlag alleine schaffen werde, „müssen wir wegkommen von dem ,Alle-gegen-einen‘, sonst wird es wieder jemand anderes machen.“

Auch der Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien hat sich mit dem Thema Blockchain befasst. Die Technologie eignet sich nach dessen Einschätzung sehr gut zum Schutz von Urheber- und Lizenzrechten. Auch kann sie für das Anzeigengeschäft genutzt werden.

Die Zusammenfassung (in Englisch) und den Link zum Report finden Sie hier.