Wie die gewonnenen Abonnenten halten? Die Verlage stehen vor einer schweren Aufgabe

Wie plant Der Neue Tag Abonnenten zu halten? Foto: Siegfried Putz, www.tourismus-marketing-bayern.de

Journalistische Inhalte sind gefragt wie selten zuvor. Vor allem bei Digitalabos zeigen sich viele Leser kurzfristig zum Abschluss bereit. Doch wie lange hält das Interesse angesichts schrumpfender Haushaltskassen? Mehrwerte könnten entscheidend werden. Im Kurzinterview gibt Thomas Huber, Verlagsleiter Oberpfalz Medien, Einblicke, wie sein Haus das Abo langfristig attraktiv machen will.

Herr Huber, die FAZ verkauft derzeit mit einem speziellen Angebot 10.000 Digitalabos in einer Woche. Und die Zugriffe auf digitale Angebote verzeichnen Rekordzuwächse. Bemerken Sie ähnliche Effekte?
Huber: Ja, auch die Reichweite unseres Nachrichtenportals „Onetz.de“ ist im April um 77 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Auch das Interesse an unseren Newslettern wächst täglich. Seit Start unserer Registrierungsschranke für Plus-Artikel Ende April haben sich bereits über 4.000 Leser im Portal angemeldet. Im Verhältnis zu unseren Nutzerzahlen ist das ein großer Erfolg. Die Einführung der geplanten Freemium-Paywall ist dann der nächste Schritt.

Thomas Huber, Verlagsleiter Oberpfalz Medien Bildquelle: Onetz

Die Chance zur Gewinnung von Neuabonnenten ist derzeit für Zeitungen groß. Mit welchen Produkten und auf welche Weise versuchen Sie, diese Chance zu nutzen?
Huber: Die Lesergewinnung läuft bei uns gerade auf Hochtouren – und das auf allen Kanälen mit diversen Aktionsangeboten, sowohl im Print als auch im Digitalen. Aktuell liegt unser Fokus dabei auf der Bewerbung unseres neuen E-Papers sowie der Leadgenerierung über unsere Registrierungsschranke „OnetzPlus“ als Vorstufe zur geplanten Paywall. Aber auch im Print ist das Interesse an Print-Leseproben bzw. -Kurzabos stark gestiegen. Aufgrund der aktuell guten Erreichbarkeit der Testleser sind auch die Wandlungsquoten vergleichsweise besser.

Neukunden zu gewinnen ist eine Sache, sie zu halten, eine andere. Wie gehen Sie in Sachen Kundenbindung vor?
Huber: Wir nutzen die veranstaltungsarme Zeit, um die Blattstruktur unserer Zeitung umzustellen und eine Ratgeber-Seite „Besser Wissen“ einzuführen. In Verbindung mit einer neuen Rätselseite sowie unserer beliebten Kinderseite bieten wir den Lesern jetzt noch mehr Unterhaltung bzw. Mehrwert und bekommen dafür viel positives Feedback. Geplant sind in diesem Zuge auch diverse redaktionelle Serien. Starten werden wir mit der Radserie „On Tour – die schönsten Radwege in der Oberpfalz“.

Mehrwert durch Ratgeber-Seite „Besser Wissen“. Bildquelle Onetz

Wie beurteilen Sie die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Branche der Tageszeitung insgesamt?
Huber: Neben den unausweichlichen Umsatzeinbußen vor allem im Werbemarkt sehe ich dennoch eine Chance für die Branche. Ein Großteil der Bevölkerung hat erkannt, wie wichtig verlässlich recherchierte, seriöse Berichterstattung ist. Auf diesem „Image-Bonus“ müssen wir gemeinsam aufbauen. Ein positiver Nebeneffekt: Die Digitalisierung ist wohl in manchen Verlagen zwangsweise schneller vorangeschritten und setzt zum Beispiel auch in Sachen „Mobiles Arbeiten“ Impulse für die Zukunft.