Digitalisierung und Transformation - "Wir sind nicht die logischste Firma der Welt"

Bildquelle: Vortrag Dr. Tanja zu Waldeck, Medienhaus/NEXT/ 2020

„Wir sind nicht die logischste Firma der Welt“

Mit Burda und Axel Springer waren zwei Schwergewichte der Medienszene zu Gast beim Medienhaus/NEXT. Beide haben den Transformationsprozess schon vor Jahren in Angriff genommen. Heute sind sie erfolgreich auf dem Digitalmarkt etabliert und dort auch mit Plattformen höchst profitabel unterwegs. Doch die Arbeitsweise und Strukturen unterscheiden sich deutlich.

Digital ist King. Bereits mehr als die Hälfte des Umsatzes erzielt Hubert Burda Media mit den zahlreichen nationalen Digitalmarken, die mit großer Reichweite punkten. Während zum Beispiel das Focus Magazin 1,4 Mio. Leser pro Monat zählt, sind es bei Focus Online 28,4 Mio. User. Kein Wunder also, dass für Dr. Tanja zu Waldeck, COO von BurdaForward, digital das neue Normal ist. Damit es soweit kommen konnte, waren aber auch Fehlschläge nötig, wie die Digitalexpertin unumwunden zugibt. Doch: „Umwege erhöhen die Ortskenntnis“.

Fünf Punkte sieht Sie als ausschlaggebend für den heutigen Erfolg:

  1. Schon Anfang der 90er Jahre erkannte Dr. Hubert Burda die Chancen der Digitalisierung und stellte die Weichen
  2. Print und Digital sind konsequent getrennt. Reibungsverluste entfallen und Produkte können rein für den jeweiligen Kanal entwickelt werden.
  3. Durch Produkterweiterung werden heute über 40 Prozent des Umsatzes mit Transaktionsprojekten erzielt.
  4. Technologie gilt als Unterscheidungsfaktor und soll sich streng am Nutzer orientieren
  5. Teams arbeiten dezentral und unternehmerisch

Gerade letzterer Punkt sorgte beim Publikum für Nachfragen. So sind bei Burda in einem Team alle Funktionen enthalten, auch wenn das bedeutet, dass Know-how vielfach parallel aufgebaut wird. „Von außen betrachtet, sind wir nicht die logischste Firma der Welt“, so zu Waldeck, „aber anders als Springer glauben wir nicht an die Auslagerung von Funktionalitäten.“

Power fürs Digitale: Dr. Tanja zu Waldeck, COO von BurdaForward.

Erfolg mit Plattformen jenseits des Journalismus

Auch bei Axel Springer ist Digital King. „Neue digitale Geschäftsmodelle haben uns am Leben erhalten“, so Dr. Sebastian Voigt, Senior Vice President der Axel Springer hy GmbH. Anhand zahlreicher Beispiele wie Stepstone, idealo oder immonet zeigte er auf, wie sein Verlagshaus sich weg von contentbasierten hin zu plattformbasierten Modellen entwickelt. Zwar müssten diese am Anfang stark finanziert werden, seien dann aber oft hochgradig profitabel. Seine Erfahrung bei Plattformen: „Alle, die vorne nicht dabei waren, kommen hinten nicht mehr rein.“ Heute mache Axel Springer über 70 Prozent des Umsatzes und fast 90 Prozent des Gewinns mit digitalen Geschäftsmodellen.

Durch seine vielen Investments hat sich Springer über die letzten Jahrzehnte stark verändert – abseits des Redaktionellen. Der Kernauftrag heute lautet: „digital first“, so Voigt, jedoch bleibe der Journalismus das Herz des Konzerns. Im Hinblick auf Burda sagte er: „Wir berichten zwar immer noch an den Vorstand, aber auch bei uns haben sich die neuen Strukturen dezentral entwickelt.

Berät in Sachen Digitalisierung auch branchenfremde Unternehmen: Dr. Sebastian Voigt, Senior Vice President der Axel Springer hy GmbH.