„Es bleibt in der Familie“ — Denni Klein über die digitale Transformation der Sächsischen Zeitung

Wie eng man sich mit digitalen journalistischen Produkten an den Bedürfnissen des Nutzers ausrichten kann, zeigte Denni Klein, Verlagsgeschäftsführer der Sächsischen Zeitung, auf dem Forum Kundenmanagement. Sein Haus setzt Wissen über die Lesegewohnheiten der Abonnenten und deren Nutzungszeiten dazu ein, Produkte zu entwerfen, die sowohl neu, nah und nützlich, als auch exklusiv, emotional und excellent sind. Was früher die SZ war, ist heute eine ganze Produktfamilie.

Zum Frühstück die wichtigsten Themen der Zeitung, gefolgt vom Sächsische.de-Newsletter, zum Kaffee dann den Löwenteil der Zeitung und abends das E-Paper mit den Meldungen, die die Zeitungsleser erst am nächsten Tag erhalten. Ganz gleich, zu welcher Zeit der Leser seine Informationen wünscht, er bekommt sie auch. Wie genau der Lesetag seiner Kunden aussieht, weiß Denni Klein unter anderem durch das Projekt „Lesewert“, das im eigenen Haus entwickelt wurde. Über einen Scanstift verrät der Nutzer, wann er was wie lange liest. Die Redaktion erhält so ein direktes Feedback auf ihre Arbeit und sieht, wie relevant und wertvoll der einzelne Inhalt für die Leser ist. Dieses Wissen setzt man bei der Sächsischen Zeitung ein, um neue Produkte zu entwickeln.

Verschiedene Abomodelle für Sächsische.de

Wie Denni Klein erläuterte, liegt der Fokus dabei auf dem zahlenden Leser. So auch beim neu gelaunchten Portal Sächsische.de, bei dem für 9,90 Euro pro Monat alle Inhalte sofort lesbar sind. Als Alltagsbegleiter bietet das Newsportal im Abo lokale Nachrichten, konstruktive Berichte und Geschichten, exklusive Interviews sowie viele Bildergalerien und Videos. Die Inhalte sind so relevant für Leser, dass diese auch bereit sind, dafür zu bezahlen: Innerhalb der ersten drei Monate wurde es 800 Mal abgeschlossen. Damit das Abo auch „Spaß“ macht, verzichtet man konsequent auf Displaywerbung und hat die Ladegeschwindigkeit optimiert.

In Kürze sollen daneben zwei weitere Preismodelle eingeführt werden: Mit einem Familien-Abo für 15,90 Euro im Monat können Abonnenten bis zu vier Familienmitglieder einladen. Ebenso ist eine abgespeckte Basis-Variante für 6,90 Euro monatlich in Planung.

Print, E-Paper und Online sind keine Wettbewerber

Dass sich die verschiedenen Produkte gegenseitig kannibalisieren, befürchtet Denni Klein nicht. So unterscheiden sich die Nutzer der unterschiedlichen Medien im Alter und auch in der Frage, wann sie welche Inhalte lesen. Wie Denni Klein einräumte, gebe es zwar Überschneidungen – etwa die Hälfte der E-Paper-Nutzer hat auch ein Print-Abo – diese werden allerdings eher als Ergänzung gesehen. So wird das E-Paper als Abendzeitung veröffentlicht und kann jederzeit aktualisiert werden, um beispielsweise die neuesten Fußballergebnisse abzubilden.

Mit den unterschiedlichen Medien werden unterschiedliche Zielgruppen erreicht: der Vergleich der Altersstruktur der Nutzer von Zeitung, E-Paper und Online-Portal der SZ zeigt dies deutlich.

Durch die Ausrichtung am Leser sowohl inhaltlich als auch bezüglich der Form der Auslieferung haben sich im Verlag neue Workflows etabliert, die herkömmliche Grenzen der Berufsbilder aufweichen. So kann heute jeder SZ-Redakteur auf Basis eines selbst entwickelten Content-Management-Systems die Website betreuen, wie Denni Klein versicherte. Und auch eine kulturelle Veränderung macht sich bemerkbar. „Wir glauben an den Wert unserer Produkte und sind stolz darauf.“ Sichtbar wird das beispielsweise anhand der Gestaltung der Arbeitsplätze mit Kreativflächen, Ideen-Nischen und Erholungsorten. „Wir sind ein Medienhaus, das verstanden hat, dass unsere Mitarbeiter 40 Prozent ihrer wachen Zeit bei der Arbeit sind und hier eine prima Leistung zeigen“, so Klein.