
Sichtbar bleiben im digitalen Schlamm
30.04.2026 - Wie behauptet sich Journalismus in einer digitalen Öffentlichkeit, die von Tempo, Überangebot und neuen Technologien geprägt ist? Genau dieser Frage widmeten sich Prof. Dr. Klaus Meier und die anschließende Talkrunde „Journalismus im Wandel: Chancen und Herausforderungen“ beim Medienhaus/NEXT/.
Den inhaltlichen Auftakt machte Prof. Dr. Klaus Meier von der Katholischen Universität Eichstätt mit einer zugespitzten Frage: „Wie bleibt Journalismus im digitalen Schlamm sichtbar?“ Seine Antwort: durch Vertrauen.
Dabei stellte er eine verbreitete Annahme infrage. Die oft beschworene Vertrauenskrise in die Medien sei so pauschal nicht haltbar. Mit Verweis auf die Mainzer Langzeitstudie Medienvertrauen zeigte er: 47 Prozent der Befragten vertrauen etablierten Medien eher oder voll, nur 20 Prozent äußern Misstrauen. Das Problem liege weniger in einem flächendeckenden Vertrauensverlust – sondern vielmehr darin, dass diejenigen, die Medien grundsätzlich ablehnen, besonders laut auftreten.
Chancen im Lokalen
Für die Zukunft des Journalismus leitete Meier mehrere zentrale Handlungsfelder ab: Entscheidend bleibt die Qualität der Recherche – sie wird im Zeitalter von KI zum wichtigsten Unterscheidungsmerkmal. Gleichzeitig darf Vertrauen nicht als selbstverständlich gelten, sondern muss kontinuierlich gestärkt werden.
Darüber hinaus müssen Medien den Spagat zwischen Qualität und Nutzererwartung meistern: Schnelligkeit, einfache Zugänge und Convenience bleiben auch im Qualitätsjournalismus essenziell. Ebenso wichtig ist die Sichtbarkeit journalistischer Marken als zentrale Vertrauensanker.
Chancen sieht Meier vor allem im Lokalen, wo Nähe und konkrete Relevanz schwer ersetzbar sind. Gleichzeitig gewinnen Transparenz und eine offene Fehlerkultur an Bedeutung, ebenso wie der aktive Dialog mit dem Publikum. Austausch und Beteiligung sollten nicht als Ergänzung verstanden werden, sondern als integraler Bestandteil journalistischer Arbeit.
Talkrunde: Die Zukunft des Journalismus
In der anschließenden Talkrunde wurde genau diese Perspektive weitergeführt. Kai Röhrbein (VDL und Walsroder Zeitung) betonte, dass Medien ihre Rolle in der Demokratie wieder aktiver erklären müssen. Wer den eigenen Wert sichtbar macht, stärkt auch die Bereitschaft, dafür zu bezahlen.
Renè Hofmann (Süddeutsche Zeitung) zeigte, wie sich genau das konkret umsetzen lässt – etwa durch Veranstaltungen rund um politische Themen wie Kommunalwahlen. Solche Formate schaffen Nähe, fördern Austausch und machen Journalismus erlebbar.
Doch wie tragfähig sind solche Ansätze unter wachsendem Kostendruck? Diese Frage stellte Moderator Markus Schöberl. Eine mögliche Antwort gab Cordula Schmitz (Hamburger Abendblatt): indem man Formate weiterdenkt und ins Digitale verlängert. So lassen sich Reichweite, Effizienz und persönliche Ansprache miteinander verbinden.
Was die Diskussion deutlich machte: Die Zukunft des Journalismus entscheidet sich nicht allein an einzelnen Inhalten. Es geht darum, Vertrauen zu sichern, Relevanz zu zeigen – und vor allem darum, sichtbar zu bleiben.










