
Keynote: Wir stehen vor der Renaissance der Medien
30.04.2026 - Wofür brauchen Menschen Medien in Zukunft überhaupt noch? Dieser Frage ging Ladina Heimgartner, Head Media Ringier, CEO Ringier Medien Schweiz und Mitglied des Group Executive Board, in ihrer Keynote nach – und setzte damit einen der wichtigsten Impulse des Tages.
Die aktuelle Lage der Branche beschreibt Ladina Heimgartner als Disruption. Künstliche Intelligenz verändert grundlegend, wer Inhalte produziert und wer sie distribuiert – und entzieht Medienunternehmen zunehmend die Kontrolle über ihre eigene Wertschöpfungskette. Doch, so ihre zentrale These, gehe es nicht nur um neue Technologien, Kanäle oder Produktionslogiken. Vielmehr verändere sich grundlegend, wie Menschen sich digital orientieren, was sie erwarten und wonach sie in Medienprodukten überhaupt suchen.
Was Menschen wirklich brauchen
Denn bei aller Dynamik gilt: Technologie verändert vieles, aber nicht die grundlegenden Bedürfnisse der Menschen.
- Zugehörigkeit
- Orientierung/Handlungsfähigkeit
- Vergnügen
Diese Bedürfnisse sind konstant. Die Welt hingegen verändert sich immer schneller. Genau in diesem Spannungsfeld entsteht die neue Rolle der Medien. Sie stehen damit vor einer klaren Verschiebung: weg vom reinen Informationsanbieter, hin zum Orientierungsgeber. In einer überkomplexen digitalen Welt reicht es nicht mehr, Inhalte bereitzustellen. Gefragt sind Einordnung, Verlässlichkeit und Relevanz. Medien gewinnen dort an Bedeutung, wo sie Komplexität reduzieren, Vertrauen schaffen und Menschen helfen, sich in einer unübersichtlichen Realität zurechtzufinden.
Veränderung als Kernkompetenz
Dabei ist Veränderung kein neues Phänomen für Medien – im Gegenteil: Seit jeher helfen Medien den Menschen, mit Wandel umzugehen, Entwicklungen zu verstehen und sich neu zu orientieren. Und genau darin liegt auch heute eine Chance: Konstante menschliche Bedürfnisse treffen auf eine sich immer schneller wandelnde Welt. Aus dieser Dynamik heraus entsteht nicht nur eine neue Rolle für Medien, sondern auch ein neues Geschäftsmodell. Für Heimgartner ist deshalb klar: Wir stehen vor der Renaissance der professionellen Medien.
Menschen wollen Menschen
Bei allen technologischen Möglichkeiten bleibt der entscheidende Faktor menschlich. Journalismus lebt von Perspektive, Haltung und Glaubwürdigkeit – und genau das lässt sich nicht automatisieren. Gerade im Zusammenspiel mit KI wird diese menschliche Dimension zum wichtigsten Unterscheidungsmerkmal. Einen Kommentar von einer KI, so ihre klare Botschaft, möchte am Ende kaum jemand lesen. Vertrauen entsteht nicht durch Technologie, sondern durch Menschen. Dieses Vertrauen aber müsse man sich immer wieder neu verdienen – und die Marke als Vertrauensanker gezielt stärken.
Potenziale in Werbe- und Lesermarkt
Ladina Heimgartner blickt optimistisch in die Zukunft. Auch wenn sich die Zahl der Medien im Zuge der aktuellen Disruption verringern dürfte, sieht sie darin keinen Grund zur Resignation. Vielmehr ermutigte sie die Teilnehmer des Medienhaus/NEXT/, die Veränderungen aktiv anzugehen, statt sich von ihnen treiben zu lassen. Im Werbemarkt sei nach wie vor enormes Potenzial vorhanden – die Mittel würden derzeit lediglich an die falschen Stellen fließen. Auch im Lesermarkt erkennt sie Chancen, insbesondere durch neue, lösungsorientierte Angebote. Entscheidend sei zudem, nicht alles allein stemmen zu wollen, sondern gezielt auf starke Partnerschaften zu setzen.








