Innenstadt 2030: Was Städte auch morgen attraktiv macht

29.10.2026 - Was macht eine Innenstadt attraktiv? Ein vielfältiges Einzelhandelsangebot gehört weiterhin dazu. Doch auch Gastronomie, Kultur, Begegnungsorte und die Aufenthaltsqualität tragen dazu bei, dass Menschen gerne in die Innenstadt kommen, sich dort wohlfühlen und wiederkehren.

Die CIMA Deutschlandstudie Innenstadt 2026/27, an der AVS als Partner beteiligt ist, zeigt eine erfreuliche Entwicklung. Während der wahrgenommene Handlungsbedarf, für eine lebenswerte Innenstadt beim Einzelhandel zurückgeht, eröffnen sich weitere Potenziale bei der Aufenthaltsqualität und der emotionalen Bindung an die Innenstadt.

Für Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung ergibt sich daraus eine spannende Perspektive: Die Innenstadt der Zukunft verbindet ihre Stärken als Einkaufsstandort mit ihrer Bedeutung als Lebens- und Erlebnisraum. Doch welche Möglichkeiten bieten sich, um diese Entwicklung bis 2030 weiter voranzubringen?

Aufenthaltsqualität beginnt bei den alltäglichen Bedürfnissen

Die Studienergebnisse zeigen, dass sich die Prioritäten verschieben. Während 2024 noch 37 Prozent der Befragten Verbesserungsbedarf beim stationären Einzelhandel sahen, sind es 2026 nur noch 26 Prozent. Eine positive Entwicklung, die zeigt, dass die Fortschritte im Handel zunehmend wahrgenommen werden. Gleichzeitig nennen 30,8 Prozent die Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raums als wichtiges Handlungsfeld. Noch häufiger wird die Verfügbarkeit öffentlicher Toiletten genannt (39,4 Prozent).

Gerade das Toilettenthema zeigt, dass eine attraktive Innenstadt nicht immer spektakuläre neue Angebote benötigt. Bereits Verbesserungen bei alltäglichen Bedürfnissen können das Besuchserlebnis spürbar aufwerten.

Ein Praxisbeispiel dafür liefert Berlin: Gemeinsam mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) und weiteren Partnern hat AVS eine wiederaufladbare Guthabenkarte eingeführt, die ursprünglich für das bargeldlose Bezahlen im öffentlichen Nahverkehr entwickelt wurde. Inzwischen lässt sich die Karte auch für Parkscheine, in teilnehmenden Geschäften und seit April 2025 für die Nutzung öffentlicher Toiletten einsetzen. Das Besondere: Die Karte funktioniert ohne eigenes Bankkonto oder Kreditkarte und ermöglicht damit auch Menschen ohne klassische bargeldlose Zahlungsmittel einen einfachen Zugang zu diesen Angeboten.

Das Beispiel zeigt, wie sich eine bestehende digitale Lösung schrittweise erweitern lässt, um alltägliche Bedürfnisse abzudecken und städtische Angebote leichter zugänglich zu machen.

Die Innenstadt als Ort für Erlebnisse und Begegnungen

Eine weitere Erkenntnis der Studie zeigt, welches Potenzial Innenstädte über ihre klassischen Standortfunktionen hinaus bieten. 33,5 Prozent der Befragten geben an, in ihrer Innenstadt Neues zu entdecken oder inspiriert zu werden. Ähnlich viele (33,2 Prozent) fühlen sich nach einem Innenstadtbesuch gestärkt und aufgeladen. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie viel Potenzial darin liegt, positive Erlebnisse und emotionale Eindrücke gezielt zu fördern.

Für das Stadtmarketing ergibt sich daraus eine interessante Frage: Was macht die eigene Innenstadt zu einem Ort, den Menschen nicht nur für Besorgungen aufsuchen, sondern bewusst erleben möchten?

Kulturveranstaltungen, Märkte, Gastronomie und öffentliche Begegnungsorte leisten hierzu bereits einen wichtigen Beitrag. Ebenso prägen lokale Besonderheiten den unverwechselbaren Charakter einer Innenstadt. Dabei geht es nicht zwangsläufig darum, immer neue Veranstaltungen zu organisieren. Häufig sind attraktive Angebote bereits vorhanden und können durch eine gezielte Kommunikation noch stärker in den Mittelpunkt rücken. Eine gemeinsame Veranstaltungsübersicht, die Vermarktung lokaler Besonderheiten oder die vielseitige Nutzung öffentlicher Plätze bieten dafür interessante Möglichkeiten. Entscheidend ist, die vorhandenen Stärken einer Innenstadt sichtbar zu machen und zu einem attraktiven Gesamtbild zu verbinden.

Vom Innenstadtbesuch zur emotionalen Verbundenheit

Wie wichtig die emotionale Beziehung zur Innenstadt ist, zeigt ein weiterer Befund: 20,9 Prozent der Befragten stimmen der Aussage, sich in ihrer Innenstadt willkommen zu fühlen, nicht zu. Weitere 36,6 Prozent äußern sich neutral.

Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, das Gefühl des Willkommenseins weiter zu stärken und möglichst viele Menschen anzusprechen. Für Städte eröffnet sich hier die Möglichkeit, ihre Innenstadt noch stärker aus Sicht unterschiedlicher Besuchergruppen zu betrachten. Familien haben andere Bedürfnisse als junge Erwachsene, ältere Menschen oder Touristen. Barrierearme Zugänge, verständliche Informationen, familienfreundliche Aufenthaltsbereiche und ein vielfältiges Angebot können dazu beitragen, dass sich möglichst viele Menschen angesprochen fühlen.

Besucherbefragungen oder Beteiligungsformate können dabei wertvolle Erkenntnisse liefern. Sie helfen herauszufinden, welche Angebote besonders geschätzt werden und welche zusätzlichen Wünsche Besucher haben.

 

Digitale Lösungen machen die Innenstadt leichter erlebbar

Neben der Gestaltung des öffentlichen Raums können digitale Lösungen dazu beitragen, vorhandene Angebote noch sichtbarer und einfacher nutzbar zu machen. Wie das funktionieren kann, zeigt die LOKA Karte in Rostock. Gemeinsam mit der Smart Region Rostock hat AVS den regionalen Stadtgutschein sowie die Jobkarte um eine App erweitert, die weit mehr bietet als die reine Gutscheinverwaltung.

Nutzer können ihr Guthaben und ihre Umsätze einsehen, teilnehmende Geschäfte finden und sich über regionale Neuigkeiten, Aktionen und Veranstaltungen informieren. Seit Dezember 2025 wird zudem das kontaktlose Bezahlen per Smartphone erprobt. Damit verbindet die App unterschiedliche Funktionen: Sie erleichtert den Einkauf vor Ort, macht lokale Angebote sichtbar und informiert darüber, was in der Stadt passiert.

Für Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung liegt darin ein interessanter Ansatz. Digitale Anwendungen können nicht nur einzelne Dienstleistungen abbilden, sondern auch als gemeinsamer Informations- und Kommunikationskanal für die Innenstadt dienen. AVS bringt hierfür ihre Erfahrung aus der Entwicklung und Umsetzung digitaler Gutschein-, Karten- und Kundenbindungssysteme für Städte, Handel und Tourismus ein.

Innenstadt 2030: Auf vorhandenen Stärken aufbauen

Die CIMA Deutschlandstudie Innenstadt 2026/27 zeigt, dass deutsche Innenstädte bereits über viele wichtige Qualitäten verfügen. Gleichzeitig eröffnet sie neue Perspektiven, wie sich diese Stärken gezielt weiterentwickeln lassen.

Für Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung lassen sich daraus drei Ansatzpunkte ableiten:

  • alltägliche Bedürfnisse im Blick behalten
  • die besonderen Stärken der eigenen Innenstadt erlebbar machen
  • Angebote konsequent aus Besuchersicht weiterentwickeln.

Die Innenstadt von morgen lebt nicht nur von dem, was Menschen dort kaufen können, sondern auch von den Erlebnissen und Begegnungen, die sie mit ihr verbinden.

Als Partner der Deutschlandstudie und Umsetzungspartner für digitale Gutschein- und Kundenbindungssysteme unterstützt AVS Städte dabei, lokale Angebote weiterzuentwickeln und zugänglich zu machen.

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Thomas Leitmannstetter

Senior Sales Manager
Foto: Portrait von Thomas Leitmannstetter
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